Thema

Quartier und Nachbarschaft

Verbinden und vernetzen

Für ältere Menschen hat das direkte Wohnumfeld für die Alltagsgestaltung eine hohe Bedeutung. Das Quartier, der Kiez, der Stadtteil oder das Dorf sind Orte des Wohnens, des sozialen Austauschs und der gesellschaftlichen Teilhabe für ältere Menschen.

Wie bereits im Siebten Altersbericht herausgearbeitet wurde, sind die demografischen und strukturellen Veränderungen in Deutschland regional sehr unterschiedlich – wachsenden Zentren und stabilen Städten stehen strukturschwächere Gebiete und Landkreise mit großen wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen gegenüber. In vielen Regionen werden Kommunen zusammengelegt, der öffentliche Nahverkehr eingeschränkt, Kindergärten, Schulen und Vereine geschlossen und private Dienstleistungen (etwa im Bereich des Einzelhandels oder Finanzdienstleistungen) aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit nicht (mehr) angeboten. Für ältere Menschen haben solche Entwicklungen besonders gravierende Folgen – vor allem, wenn die gesundheitliche und pflegerische Versorgung beeinträchtigt ist.

Vor diesem Hintergrund fragen sich die Verantwortlichen in vielen Kommunen, wie digitale Technologien zur Vernetzung im Sozialraum beitragen und auf diese Weise helfen können, älteren Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu erleichtern und den Abbau bestehender Infrastrukturen zu kompensieren. Immer häufiger werden Verwaltungsangebote auch online bereitgestellt. Und es werden Online-Plattformen eingerichtet, über die Dienstleistungen angeboten und gebucht, freiwilliges Engagement vermittelt und Informationen ausgetauscht werden können. Allerdings muss bei der Bereitstellung von digitalen Angeboten der Daseinsvorsorge immer bedacht werden, dass unter den älteren Menschen viele mit digitalen Technologien und dem Internet nicht vertraut sind. Kombiniert mit lokalen Angeboten zur Entwicklung digitaler Kompetenzen können diese Angebote jedoch auch dafür genutzt werden, unter Anleitung und alltagsnah den Umgang mit digitalen Endgeräten und mit dem Internet zu erlernen.

Die Digitalisierung von Angeboten soll dabei nicht zum Selbstzweck werden. Digitale Technologien können die regionale und quartiersbezogene Vernetzung und Teilhabe umso besser unterstützen, je mehr die neuen digitalen Angebote auf bereits bestehende analoge Strukturen und Netzwerke aufbauen und an sie anschließen.

Damit Ansätze der digital gestützten kommunalen Daseinsvorsorge über den Status von Modellprojekten mit kleiner Zielgruppe hinausgelangen und ökonomisch tragfähig werden können, sollten sie vor allem in ländlichen Räumen nicht nur für einzelne Gemeinden, sondern gemeindeübergreifend konzipiert werden. Voraussetzung für eine digital gestützte Daseinsvorsorge ist eine entsprechende digitale Infrastruktur, insbesondere ausreichend leistungsfähige Internetverbindungen. Dafür muss flächendeckend der Breitbandausbau und die Abdeckung mit Mobilfunknetzen vorangetrieben werden. Zudem sollten bei der Entwicklung und Umsetzung digitaler Angebote sowie der dazugehörigen Finanzierungsmodelle die konkreten Bedingungen und Voraussetzungen jeder Region beziehungsweise jedes Quartiers (zum Beispiel in Bezug auf technische und soziale Infrastruktur, regionale Akteurinnen und Akteure et cetera) berücksichtigt werden.

Dieser Text basiert auf der Publikation Ältere Menschen und Digitalisierung. Erkenntnisse und Empfehlungen des Achten Altersberichts des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Ausführlichere Informationen finden Sie im Achten Altersbericht: Achter Altersbericht. Ältere Menschen und Digitalisierung