Selbständigkeit erhalten

Die Lebensqualität im Alter hängt stark davon ab, ob ältere Menschen selbständig in und außerhalb der Wohnung unterwegs sein können, etwa um soziale Kontakte zu pflegen oder um medizinische Behandlungen wahrzunehmen. Gleichzeitig ist die individuelle Mobilität mit zunehmendem Alter immer stärker gefährdet. Digitale Technologien können eingesetzt werden, um verlorengegangene Mobilität wiederherzustellen oder um die Mobilität älterer Menschen zu begleiten – zum Beispiel um Stürze zu vermeiden.

Im Rahmen von Forschungsprojekten wurde mittlerweile eine beachtliche Vielfalt von Assistenzsystemen zur Unterstützung der Mobilität älterer Menschen entwickelt. Ein Teil dieser Systeme wird am Markt angeboten, im Alltag oder im Rahmen der gesundheitlichen Versorgung eingesetzt. Das Spektrum reicht von Unterstützungssystemen für ältere Menschen, die die allgemeine Mobilität betreffen (zum Beispiel E-Bikes, Assistenzsysteme in Fahrzeugen oder Mobilitäts-Apps), über Systeme, die bei eingeschränkter Mobilität unterstützen sollen (zum Beispiel smarte Rollstühle), bis hin zu Systemen, die auf die Wiedergewinnung oder Aufrechterhaltung von Gehfähigkeit und Balance abzielen (zum Beispiel Wearables). Darüber hinaus finden sich Systeme, die der Kontrolle und Sicherheit von Mobilität dienen (zum Beispiel Tracking-Systeme), sowie Systeme zur Prävention von Mobilitätsverlusten (zum Beispiel Sensormatten zur Sturzerkennung).

Die Komplexität und die Vielfalt von z.B. mobilen Sensoren und Smartphone-Apps sowie ihre teils geringe Bedienfreundlichkeit stellen allerdings für wenig technikerfahrene Personen eine oft schwer zu überwindende Barriere für die private Nutzung dar. Zunehmend finden Systeme zur Überwachung von Mobilität und körperlicher Aktivität in der Pflege Verbreitung. Diese sogenannten Tracking-Systeme werden sowohl in der privaten Häuslichkeit als auch in stationären Versorgungseinrichtungen eingesetzt, um vor allem an Demenz erkrankte ältere Menschen lokalisieren zu können, deren Zugang oder Abgang automatisiert zu kontrollieren und im Notfall schnell Hilfe einleiten zu können. Der Einsatz solcher Zugangs- und Monitoring-Systeme kann allerdings dann problematisch werden, wenn sich die Betroffenen dadurch in ihrer Autonomie begrenzt oder unzulässig überwacht fühlen. Die Technologien sollten deshalb nur nach Zustimmung der überwachten Personen verwendet werden, was vor allem bei Menschen mit demenziellen Erkrankungen nicht immer möglich ist und dadurch ethische Fragen aufwirft.

Darüber hinaus wird an der Entwicklung technologiegestützter Dienstleistungsangebote im öffentlichen Nahverkehr gearbeitet, die älteren und mobilitätseingeschränkten Menschen mithilfe digitaler Technologien eine individuelle und barrierefreie Mobilität ermöglichen sollen. So können mithilfe von Mobilitätsplattformen Informationen über Zugänglichkeit und Kombinierbarkeit der öffentlichen Verkehrsangebote, über Mitfahrgelegenheiten sowie über mögliche Barrieren bereitgestellt werden. Auch der Einsatz von Navigationssystemen für ältere Menschen zur besseren Orientierung außerhalb der Wohnung wird intensiv erforscht.

Zu den in den letzten Jahren erfolgreichsten Innovationen im Bereich der Mobilität gehören sicherlich E-Bikes, die nicht nur das Mobilitätsverhalten vieler älterer Menschen verändert haben, sondern auch das verbreitete Bild von technik- und innovationszögerlichen älteren Menschen widerlegen. Auch Assistenzsysteme in Kraftfahrzeugen sind inzwischen weit verbreitet. Digitale Einparkhilfen können Beweglichkeitseinschränkungen im Schulter- und Nackenbereich kompensieren; Abstandsregeltempomaten, automatische Notbremssysteme oder Abbiegeassistenten können das Fahren bei altersbedingten Einschränkungen sicherer und komfortabler machen.

Neben solchen bereits etablierten Technologien wird sich in der Zukunft zeigen, welche Rolle virtuelle Mobilität für die Lebensqualität älterer Menschen spielen kann, wenn zum Beispiel virtuelles Wandern in einer Berglandschaft das aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr mögliche reale Bergwandern ersetzt.

Dieser Text basiert auf der Publikation Ältere Menschen und Digitalisierung. Erkenntnisse und Empfehlungen des Achten Altersberichts des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Ausführlichere Informationen finden Sie im Achten Altersbericht: Achter Altersbericht. Ältere Menschen und Digitalisierung

Bild: © Laura Muth für das Projekt Smart Surfer, Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz