Evaluationsergebnisse zum DigitalPakt Alter 2023–2025
Hintergrund
Digitale Technologien können nicht nur soziale Teilhabe fördern, sondern auch das durch demografische Alterung vor finanzielle und personelle Herausforderungen gestellte Gesundheits- und Pflegesystem entlasten. Jedoch weisen ältere Erwachsene im Vergleich zu jüngeren Altersgruppen niedrigere digitale Kompetenzen auf (Stürz et al. 2022). Traditionelle Bildungsangebote zur Förderung digitaler Kompetenzen, wie von Volkshochschulen, erreichen nur einen begrenzten Personenkreis. Insbesondere Erwachsene mit niedrigem Einkommen, Bildungsstatus oder eingeschränkter Mobilität werden kaum erreicht. Um mit flächendeckender, niedrigschwelliger Unterstützung entgegenzuwirken, stellen lokale Ehrenamtsinitiativen einen wichtigen Pfeiler dar. An dieser Stelle setzt der DigitalPakt Alter an, der die Initiativen (sog. „Erfahrungsorte“) entsprechend unterstützt und gleichzeitig eine deutschlandweite Vernetzung ermöglicht. Im Folgenden werden die Haupt- und Ehrenamtlichen der Erfahrungsorte in den Mittelpunkt gestellt und die Ergebnisse der Evaluation des DigitalPakt Alter zusammengefasst.
Methodik
- drei quantitative Online-Befragungen im Auftrag der BAGSO von 2023 bis 2025
- Stichprobe: Haupt- und ehrenamtlich Engagierte aus den Erfahrungsorten des DiPAs (Hauptbefragung 2024: n = 319, ⌀ 62,3 J. ± 12,8 J., 51% weiblich, 71% Abitur)
- Rekrutierung erfolgte deutschlandweit über den Mail-Verteiler der BAGSO an die Erfahrungsorte, sowie über die Informationsveranstaltung der neuen Erfahrungsorte.
Kernbotschaften und Ergebnisse
Der DigitalPakt Alter übernahm eine zentrale Unterstützerrolle und reagierte mit vielfältigen Angeboten auf die Bedarfe der Erfahrungsorte: Er förderte Vernetzung und unterstützte mit Information, Finanzierung, Qualifizierung, Materialien und der Gewinnung neuer Ehrenamtlicher. Der Vernetzungsgedanke stellte das primäre Bewerbungsmotiv (61 %) für die Bewerbung am DigitalPakt Alter dar. 70 % der Befragten berichteten, dass sich die Zahl Ehrenamtlicher im Erfahrungsort durch den DigitalPakt Alter erhöhte. Die häufigsten in Anspruch genommenen Leistungen beim DigitalPakt Alter waren Materialbestellungen (82 %), Schulungen bzw. Rat und Unterstützung (je 73 %), sowie Vernetzung (50 %). Die Anzahl der in Anspruch genommenen Leistungen standen in Zusammenhang mit einer höheren Zufriedenheit im Ehrenamt und der Intention, das Ehrenamt auch zukünftig fortzuführen.
Die Erfahrungsorte des DigitalPakt Alter wurden zu zentralen Anlaufstellen für digitale Teilhabe. Viele nutzten bestehende Partnernetzwerke, andere bauten neue Kooperationen auf. Die kommunale Unterstützung fiel unterschiedlich aus – rund die Hälfte erhielt jedoch gezielte Förderung durch ihre Kommune.
Die Erfahrungsorte erfuhren starke Unterstützung durch überregionale Verbände wie der BAGSO (63 %) und Kommune bzw. Stadt (50 %). Letztere unterstützte die Erfahrungsorte mit Räumen (69 %), Öffentlichkeitsarbeit und Mitwirkung in Gremien (je 68 %), jedoch nur 18 % mit Fahrtkostenerstattung und Ehrenamtspauschale.
Die Haupt- und Ehrenamtlichen engagierten sich stark für Menschen, die besonders von digitaler Exklusion betroffen sind: Sie investierten viel Zeit in den Aufbau nachhaltiger Strukturen und entwickelten Angebote für ältere Erwachsene, Frauen und digitale Anfängerinnen und Anfänger.
Die Engagierten leisteten durchschnittlich 10 Stunden pro Monat, ein Viertel sogar mehr als 20 Stunden in der digitalen Technikvermittlung. Durchschnittlich organisierten die Befragten monatlich vier Angebote, vor allem Kleingruppen (74 %), 1:1-Sprechstunden (67 %) und größere und regelmäßige Kurse (48 %), aber auch zunehmend in Langzeitpflegeeinrichtungen (von 8 % auf 13 %), wie die Ergebnisse der Wiederholungsbefragung zeigten. Jeder Befragte erreichte jährlich durchschnittlich 50 Personen, dabei überwiegend Frauen (54 %), Erwachsene zwischen 65 und 75 Jahre (73 %), sowie über 75 Jahre (25 %) mit keiner (25 %) oder nur wenig Erfahrung mit digitalen Technologien (71 %). 92 % der Schulungen fanden regelmäßig statt. Herausforderungen stellten die Rekrutierung von neuen Ehrenamtlichen (62 %) dar, ebenso fehlende finanzielle Mittel für die technische Ausstattung (35 %), sowie die Erstattung von Fahrtkosten (28 %) und Unterrichtsmaterialien (23 %).
Die Zufriedenheit und der Zusammenhalt der Ehrenamtlichen im DigitalPakt Alter fielen hoch aus. Gleichzeitig berichteten sie von einem hohen Stresserleben aufgrund der Arbeitsbelastung und übermäßigem Engagement. Die Befragten investierten durchschnittlich 55 % ihrer Zeit in die Wissensvermittlung. Weitere Aufgabengebiete waren v. a. Vorstandsarbeit, Veranstaltungsplanung und Öffentlichkeitsarbeit. 82 % erhielten keine finanziellen Ansprüche, wie die Ehrenamtspauschale. Die Tätigkeit gab 90 % an den meisten Tagen das Gefühl, etwas erreicht zu haben. Gleichzeitig berichteten 83 %, dass sie hohe Verantwortung tragen müssen und 63 % stimmten zu, dass ihre Arbeit in den letzten Jahren immer mehr wurde. Knapp ein Viertel (23 %) erlebte Schlafprobleme aufgrund ihrer Tätigkeit. 97 % stimmten zu, aus Fehlern und Rückschlägen viel lernen zu können, solange gegenseitige Unterstützung stattfindet.
Die Engagierten besitzen maßgebliche Ressourcen, um in der Wissensvermittlung digitaler Technologien gegenüber älteren Erwachsenen als Rollenvorbilder zu wirken: Sie verfügten über gute digitale Kompetenzen sowie eine hohe Internetselbstwirksamkeit und Lebenszufriedenheit. Die Engagierten wiesen gute selbsteingeschätzte Kompetenzen im Umgang mit Computer (Ø-Note 2,2), Smartphone (2,2) und Tablet (2,3) auf. 76 % gaben an, bei Schwierigkeiten mit digitalen Technologien sich auf ihre eigenen Fähigkeiten verlassen zu können. 82 % stimmten zu, mit ihrem Leben zufrieden zu sein.
Handlungsempfehlungen:
- Stärkung und Befähigung der Kommunen als zentrale Handlungsakteure, um lokale Initiativen bedarfsgerecht zu unterstützen
- Sicherung der Nachhaltigkeit der Erfahrungsorte durch Kooperationen und langfristige Strukturen
- Reduktion der Arbeitsbelastung von Ehrenamtlichen durch unterschiedliche Maßnahmen (Bereitstellung von qualitätsgesicherten Materialien, Schulungsangebot, kommunale Betreuungsstruktur, Pflege einer Anerkennungskultur für Ehrenamtliche, Unterstützung in der Rekrutierung Ehrenamtlicher)
- Anerkennung des gesellschaftlichen Wertes von Ehrenamt: Ehrenamt ist nicht kostenlos. Es leistet einen wertvollen Beitrag zu gesellschaftlichen Aufgaben und benötigt daher angemessene Unterstützung und Ressourcen.
Kontaktdaten
Linda Göbl, M. Sc.
linda.goebl(at)hs-kempten(dot)de
+ 49 (0) 831 870235 18
Literaturverzeichnis
Stürz, R. Andreas.; Stumpf, Christian; Schlude, Antonia; Putfarken, Hannes (2022): Das bidt-SZ-Digitalbarometer. München (bidt – Analysen und Studien, 7). Online verfügbar unter publikationen.badw.de/en/047888907, zuletzt geprüft am 02.05.2023.