Im Gespräch mit Horst Hamacher: Digitale Kompetenzen vermitteln? Mit Kurssystem und identischer Technik!
Das Senioren-Netzwerk Kaiserslautern (SeNeKL) betreut im Rahmen der „Digitalen Hilfe“ bereits seit vielen Jahren Seniorinnen und Senioren, die Schwierigkeiten bei der Nutzung digitaler Geräte haben. In ihren Seniorencafés und bei Hausbesuchen erhalten Ratsuchende durch einen Digital-Botschafter bzw. -Botschafterin eine 1:1-Betreuung bei der Anwendung ihres Smartphones oder Computers.
Seit Anfang des Jahres hat das SeNeKL nun zusätzlich ein Kurssystem eingeführt und vermittelt dort einer Gruppe von je 10-15 älteren Menschen gleichzeitig digitale Kompetenzen an identisch eingerichteten Geräten desselben Modells.
Herr Hamacher, das Senioren-Netzwerk Kaiserslautern hat das Vermittlungskonzept durch Gruppenangebote erweitert. Wie kam es dazu?
Das 1:1 Betreuungsformat ist einerseits notwendig, weil die Probleme der Ratsuchenden sich häufig auf den Umgang mit ihrem spezifischen Gerät beziehen. Andererseits ist dieses individuelle Format sehr zeitaufwändig und manchmal auch frustrierend, weil Geräte oft überaltert und im aktuellen digitalen Umfeld nicht mehr sicher zu bedienen sind.
Ein sehr viel effizienteres und für alle Beteiligten befriedigenderes Verfahren besteht darin, Grundprinzipien im Umgang mit Smartphones einer Gruppe von Seniorinnen und Senioren gemeinsam zu vermitteln.
Unserer Erfahrung nach gerät man häufig in eine 1:1 Beratung, wenn die Teilnehmenden ihre eigenen Geräte nutzen. Deshalb hat das Senioren-Netzwerk Kaiserslautern 8 Smartphones und 6 Tablets angeschafft, die alle identisch eingerichtet sind, so dass sowohl die Digital-Botschafter als auch die teilnehmenden Seniorinnen und Senioren unter identischen Bedingungen arbeiten können.
Dies hat den weiteren Vorteil, dass auch ältere Menschen teilnehmen können, die bisher noch gar keine Smartphones besitzen oder die wegen Sehbehinderungen auf die größeren Tablets angewiesen sind.
Das ist ein sinnvolles Vorgehen, gerade für Anfängerinnen und Anfänger. Wie werden Interessierte auf sie aufmerksam und was passiert in den Treffen?
Über die lokale Presse und durch Aushänge kündigen wir diese Kurse an und machen dabei deutlich, dass keinerlei Vorkenntnisse bei der Teilnahme erforderlich sind und dass Geräte zur Verfügung gestellt werden.
Die Treffen finden bislang jeweils in 14-tägigen Abständen statt und es nehmen in der Regel 10-15 Seniorinnen und Senioren daran teil. Wir fangen mit absolut grundlegenden handwerklichen Fähigkeiten an wie Tippen, Wischen, und Ziehen und arbeiten uns dann gemeinsam weiter hoch zu fortgeschritteneren Themen.
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Im zentral gelegenen Einkaufszentrum von Kaiserslautern wurde der Initiative ein mietfreier Raum zur Verfügung gestellt. Foto: Horst Hamacher
Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen mit diesem Vorgehen?
Sehr positiv! Obwohl viele der Teilnehmenden schon eigene Geräte besitzen, besteht immer eine große Bereitschaft darin, grundsätzliche Fähigkeiten beim Umfang mit Smartphones erklärt zu bekommen und gleich aktiv ausprobieren zu können. Außerdem wird die Gruppenatmosphäre als sehr angenehm empfunden, da alle dasselbe lernen und sich gegenseitig helfen können.
Das klingt wirklich positiv. Was haben Sie für die Zukunft geplant und wie kommen Sie dem Bedarf nach?
Wegen des großen Interesses werden wir ab August 2025 auf ein wöchentliches Kurssystem umstellen.
Und die Kurse ziehen weitere Kreise: Durch die grundlegende Ausbildung älterer Menschen im Umgang mit Smartphones und Tablets erweitern wir den Pool an Ehrenamtlern, die ihre Kenntnisse wiederum an andere Seniorinnen und Senioren weitergeben. Einige der Kursteilnehmenden haben sich schon bereit erklärt, bei zukünftigen Veranstaltungen als Helferinnen und Helfer teilzunehmen.
Hilfreich ist hier die lokale Presse Rheinpfalz: Unsere Kursankündigungen werden veröffentlicht und ein halbseitiger Artikel zu Beginn des Projekts hat für Aufmerksamkeit gesorgt.
Außerdem haben wir den großen Vorteil, im zentral gelegenen Einkaufszentrum von Kaiserslautern, dem "K in Lautern", einen mietfreien Raum zur Verfügung gestellt bekommen zu haben, den wir dank einer Förderung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) zweckmäßig möblieren konnten.
Mit der Verwaltung der Stadt Kaiserslautern ist der Verein SeNeKL zudem eng verbunden, da viele Vereinsmitglieder gleichzeitig Mitglieder des städtischen Seniorenbeirats sind. Eine direkte finanzielle Unterstützung des Projekts durch die Stadt Kaiserslautern findet nicht statt. Aber: Außer dem hier betrachteten Projekt arbeitet das Senioren-Netzwerk gemeinsam mit der Stadt an der Durchführung der Seniorenmesse Kaiserslautern.
Ihr Verein scheint gut eingebunden zu sein. Haben Sie Tipps für andere Initiativen, die den gleichen Weg gehen möchten?
Sich Sponsoren zu suchen und ein Netzwerk aufzubauen, ist wichtig! Ob der kostenfrei zur Verfügung gestellte Kursraum, die Förderung für das Mobiliar des Raumes – Unterstützer sind das A und O.
Die Anschaffung der Geräte war wiederum durch eine finanzielle Förderung des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung des Landes Rheinland-Pfalz möglich, für die wir sehr dankbar sind.
Sie haben einen Wunsch frei – was muss sich als Nächstes ändern?
Ältere Menschen ohne digitale Vorerfahrung müssen die Möglichkeit haben, an digitalen Technologien teilzuhaben und diese unter Anleitung in einem geschützten Raum ausprobieren und anwenden zu können. Andernfalls sind sie häufig von der gesellschaftlichen Entwicklung ausgeschlossen und vielerorts benachteiligt.
Mein Wunsch wäre ein stärkeres Bewusstsein für dieses Problem und mehr Flexibilität und Bereitschaft zu Modellversuchen, in denen Lösungen in diesem Sinne erprobt werden.